Informationen zu Bier und Brauereien in Prag

Bier ist in Prag ein Kulturgut. Überzeugen Sie sich bei einer Brauereibesichtigung, dass die Prager Brauereien sich der tschechischen Biertradition verpflichtet fühlen und Bier mit höchstem Qualitätsanspruch nur aus Getreide, Hopfen und Wasser herstellen. Besuchen Sie in Prag eine Hospoda (Kneipe, Schenke) und genießen Sie ein geschmacklich kaum zu übertreffendes Bier, das immer frisch mit Druckluft und nicht Kohlesäure gezapft wird, ausnahmslos wohl temperiert ist, nicht zu viel Alkohol enthält und in Gesellschaft genossen wird.

Das Bierbrauen hat in Tschechien eine lange Tradition. In Prag wird Bier im heutigen Sinne bereits im Stift Breunau mit Unterbrechungen seit dem Jahr 993 gebraut. In Prag und seiner Umgebung gibt es heute zwei aktive Großbrauereien mit reicher Geschichte, die Staropramen-Brauerei sowie die Plzeňský-Prazdroj-Braurei und eine Reihe von Mikrobrauereien wie die Brauerei U Fleku, die bereits seit dem 14. Jahrhundert braut. Es gibt auf Bier spezialisierte Reisebüros, die gemeinsam mit Großbrauereien aber auch teilweise mit kleinen Mikro-Brauereien gemeinsam Brauereiführungen organisieren.

Die Tschechen trinken ihr Bier meistens in einer Hospoda (Kneipe, Schenke). Sie ist in Prag und Tschechien eine Institution ohne gesellschaftliche und soziale Schranken. Dort trifft sich arm und reich, um bei einem guten Bier über Gott und die Welt zu reden. Traditionell wurde in der Hospoda keine Musik gespielt, die Geräuschkulisse erreichte aber oft Orchesterstärke. Inzwischen wird einigen Kneipen auch Musik gespielt. Die Prager trinken Ihr Bier aber auch gerne in einem Biergarten, in einem Café am Moldauufer oder auf dem Schiffsdeck während einer Moldaufahrt. Es ist kein Wunder, das Prager Politiker oft bei einem Staatsbesuch ihre politischen Kollegen aus dem Ausland, zu einem Bier in einer Prager Kneipe einladen. Weltbekannt sind Fotos von Václav Havel und Bill Clinton bei einem gemeinsamen Bier.

Die Prager bevorzugen meistens ein helles Bier mit niedrigem Alkoholgehalt (Schankbier). Man sieht es als ein Erfrischungsgetränk an, das die Laune verbessert und das Gespräch anregt, aber dessen Konsum in Tschechien nicht die Betrunkenheit zum Ziel hat. Man unterscheidet Biere nach dem Gehalt der Stammwürze. Ein Bier mit einer Stammwürze von 8 % hat einen Alkoholgehalt von 2 %, mit einer Stammwürze von 10 % einen Alkoholgehalt von 3 % und mit einer Stammwürze von 12 % einen Alkoholgehalt von 4 %. Weiterhin wird zwischen obergärigen Bieren, die bei einer Temperatur zwischen 15 und 22 Grad C und untergärigen Bieren, die bei einer Temperatur von 4 bis 10 Grad C mit verschiedenen Hefen gegärt werden werden. Die Prager trinken natürlich auch gerne ein Pilsner Urquel, das erste Pils der Biergeschichte, ein untergäriges Bier, das durch den hohen Hopfenanteil ein wenig bitter schmeckt sowie besonders klar ist und in Pilsen in der Pilsner- Urquel-Brauerei gebraut wird oder man trinkt ein aufgrund einer besonderen Malzröstung dunkles Bier, dass in einer Prager Kleinbrauerei gebraut und ausgeschenkt wird. In Prag werden auch sehr schmackhafte alkoholfreie oder koschere Biere angeboten. Es lohnt sich diese zu probieren.

Es gilt in Prag der Grundsatz, dass ein Bier nur mit Druckluft (nicht mit Kohlensäure) und schnell gezapft werden muss, damit es besonders magenfreundlich ist, frisch schmeckt und die Schaumkrone sahnig ist. Es gibt die tschechische oder Prager Zapfweise, die verlangt, dass das Bier in einem Zug gezapft wird, dann ist das Bier besonders frisch sowie der Schaum kremig und die mährischen oder schlesischen Zapfweise bei der das Bier in drei Zügen aus größerer Höhe gezapft wird; der Schaum ist dann besonders fest und das Bier weniger perlig. Das Bier wird in Prager Kneipen meistens in großen, gekühlten Tanks gelagert, die so konstruiert sind, dass komprimierte Luft den Druck zum Zapfen erzeugt ohne das Luft mit dem Bier im Tank überhaupt in Berührung kommt. Das ermöglicht den Ausschank von Bier, das nicht pasteurisiert ist und deswegen noch mal erheblich besser schmeckt. Einige Gaststätten in Prag haben diese Biertanks unter der Theke hinter einer Glaswand platziert, so dass man diese betrachten und bestaunen kann. Die Biertanks werden von Biertankwagen befüllt, die das Bier vorher direkt in einer Prager Brauerei getankt haben.

Bier und Prager Kneipen sind ein Bestandteil der Prager Kultur und Identität und deswegen ist es nicht verwunderlich, dass Prager Schriftsteller ihre Werke in Prager Kneipen schrieben und schreiben, deren Handlungen sich oft auch in Prager Kneipen (Hospodas) abspielen. Jaroslav Hašek schrieb seinen weltberühmten antimilitaristischen Schelmenroman „Braver Soldat Schwejk“ mit Hilfe seiner Freunde in Prager Kneipen. Berühmt ist der Ausspruch des Protagonisten Schwejk zu seinem Prager Kumpanen, um sich mit ihm nach dem Krieg in einer Prager Kneipe zu verabreden: „nach dem Krieg um 6 im Kelch“. Aber auch weitere weltberühmte Schriftsteller wie der Schriftsteller Bohumil Hrabal oder der Schriftsteller und Politiker Václav Havel verbrachten ihre Zeit schöpferisch in einfachen Prager Schenken, die heute noch existieren und wo heute junge, Prager Nachwuchsschriftsteller, bei einem Bier ihre Werke schreiben.

Im Zusammenhang mit Bier, muss natürlich die tschechische Küche erwähnt werden. Es ist für Prager nicht vorstellbar, bestimmte Gerichte der tschechischen Küche ohne gleichzeitigen Biergenuss zu genießen. Was wäre ein Gericht wie z. B. „vepřo knedlo zelo“ (Schweinebraten mit Knödeln und Kraut) oder „guláš s domácím knedlíkem“ (Gulasch mit hausgemachten Knödeln) ohne ein Bier. Genauso aber wie bestimmte böhmische Gerichte nach einem Bier verlangen schreit das Bier nach bestimmten kleinen Gerichten. Liegt der Schwerpunkt auf dem Bier und nicht dem Essen, bestellt man kleine Gerichte wie utopenci (Schpeckwürstchen in saurer Marinade), „domácí pivní sýr“ (hausgemachter Bierkäse) oder „Nakládaný hermelín“ (auf verschiedene Art eingelegter Käse namens Hermelin).

In Prag gibt es natürlich viele Möglichkeiten sein Wissen über Bier zu vertiefen. Sie können an einer Brauereiführung teilnehmen, wo Sie erfahren, wie ein qualitativ hochwertiges Bier hergestellt wird oder an Bierzapfkursen teilnehmen, die von professionellen Wirten und Bierkennern durchgeführt werden und wo Sie lernen einem Bier den letzten geschmacklichen Schliff zu geben. Neben einer Brauereiführung ist es zu empfehlen, an einer Bierführung durch die Prager Altstadt teilzunehmen, während der Sie unscheinbare Lieblingskneipen der Prager in mittelalterlichen Gassen besuchen und gleichzeitig versteckte Winkel der Prager Altstadt kennen lernen. Reizvoll ist es an einem Kochkurs teilzunehmen und zu lernen wie man zum Bier passende, auch raffinierte Gerichte zubereitet und welche Geheimnisse hinter einem guten tschechischen Knödel stecken. Oder besuchen Sie einfach ein Prager Wellnesszentrum mit verschiedenen Bierbehandlungen im Angebot und überzeugen Sie sich, von der die Gesundheit fördernden Wirkung des Bieres, die besonders auf den Hopfen zurück zu führen ist. Literaturbegeisterte haben in Prag die Möglichkeit an einer literarischen Bierführung teilzunehmen, die Sie mit Bierschauplätzen der Prager Weltliteratur und Lieblingskneipen der Prager Schriftsteller vertraut macht.

Bier und Brauereien sind Aushängeschilder und Symbole der Stadt Prag, hinter denen sich eine anspruchsvolle Kultur und Tradition verbirgt, in die es sich lohnt tiefer einzutauchen.